Zeit mit Zeugen – Lebenserfahrungen von Russlanddeutschen

Die DJR-Jugendgruppe hat im Rahmen des Kooperationsprojektes mit dem Medienprojektzentrum Offener Kanal Rhein-Main in Offenbach vom 2.10 bis zum 4.10 ein Zeitzeugenprojekt durchgeführt.

Katharina Dornhof mit ihrem Ehemann.

Als Zeitzeugen sind die Personen, die als Kinder oder Jugendliche die Deportation während des Zweiten Weltkrieges in der ehemaligen Sowjetunion miterlebt haben, zu verstehen. Somit konnten die Jugendlichen die Geschichte der Deutschen aus Russland näher begreifen. Allein in Hessen leben 180.000 Deutsche aus Russland, die Geschichte und die oftmals traurigen Schicksale dieser Menschen kennen jedoch die Wenigsten. Umso wichtiger war die Durchführung und Notwendigkeit dieses Projektes.

von links: Erwin Vetter, Maria, Katharina Dornhof, Rebecca, Anna, Heinrich Rahn, Matthias, Alexandra Dornhof

Zeittafel zur Geschichte der Deutschen aus Russland:

22.7.1763 – Einladungsmanifest der der Zarin Katharina II., vor allem an          Handwerker und Ackerbauern

Ab 1764 – Gründung deutscher Kolonien, Selbstverwaltung der Kolonien, Aufbau von eigenen Schulen, Universitäten usw.

1915 – Liquidationsgesetzt, deutscher Landbesitz soll in einem 150 Kilometer tiefen Grenzstreifen zwangsveräußert und russischen Bauern gegeben werden

1917 – Oktoberrevolution, Machtergreifung der Bolschewiki

1919 – bewaffnete Erhebungen der deutschen Bauern gegen bolschewistische Lebensmitteleintreibungen, Hungernöte und Zwangskollektivierungen folgen

1936 – der „Große Terror“ beginnt, dieser kostete etwa 55.000 Deutschen das Leben

1941 – die Deportation der deutschen Bürger in der UdSSR beginnt, Liquidierung und Auflösung aller kulturellen Institutionen

1942 – ca. 350.000 russlanddeutsche Jugendliche, Frauen und Männer werden zur Zwangsarbeit mobilisiert. Weitere Umsiedlungen folgen.

Weitere Infos und Unterrichtsmaterialien zum Thema Russlanddeutsche Kulturgeschichte finden sie hier.

Die Wahrnehmung geschichtlicher Ereignisse aus der Gegenwart heraus ist in der Regel eine medial vermittelte. So erscheint das Gewesene weit weg, als würde es eher dem Reich der Geschichten angehören, als etwas mit der eigenen Lebensrealität zu tun zu haben. Die Durchführung von Zeitzeugeninterviews lässt Geschichte lebendig werden und führt Alt und Jung zusammen. Die Aufzeichnung solcher Interviews auf Video, erhält sie für die Nachwelt. Die jungen Interviewer unserer DJR-Jugendgruppe haben einen sehr tiefen Einblick in die einzelnen Schicksale der Deutschen aus Russland (Sammelbegriff) bekommen. Geduldig und voller Respekt sind die Kinder und Jugendlichen mit den eingeladenen Zeitzeugen umgegangen.  Voller Begeisterung haben sie im Nachblick über das Erlebte berichtet.

Die drei Zeitzeugeninterviews wurden nach einem Vor- und Kennenlerngespräch in einer geschützten Atmosphäre im DJR Bildungs- und Kulturzentrum von den jungen Menschen durchgeführt. Das generationenübergreifende Moment war ein wichtiger Aspekt des Projekts. Als Zeitzeugen wurden Katharina Dornhof, Heinrich Rahn und Erwin Vetter eingeladen.

von links: Erwin Vetter, Katharina Dornhof, Heinrich Rahn.

Neben des Erhalts der Erinnerungskultur und der russlanddeutschen Geschichte haben die Kinder und Jugendlichen Maßstäbe eines seriösen Journalismus kennengelernt. Während der Interviews haben sie die Zeitzeugen durch ihre Fragen so wenig wie möglich beeinflussen wollen und die aufgezeichneten Gespräche werden fast ohne Nachbearbeitung wiedergegeben. Eine Kürzung der Interviews war von Anfang an nicht vorgesehen, weshalb die einzelnen Interviews sehr ausführlich sein werden und somit viele interessante Perspektiven auf das Leben der deutschen Aussiedler in der ehemaligen Sowjetunion aufzeigen werden.

Für die Organisation und Durchführung des Zeitzeugen-Projekts bedanken wir uns bei Alexandra Dornhof (DJR-Hessen e.V. Bildungsreferentin), Eugen Gross (DJR-Hessen e.V. Vorstand) und Andrej Ebert (DJR-Hessen e.V., Video-AG Betreuer). Für die gelungene Kooperation möchten wir uns ebenfalls bei der pädagogischen Begleitung Nathalie Emmer (MOK-Medienprojektzentrum Offener Kanal) bedanken.

Die Sendung wird Ende Oktober im Offenen Kanal Rhein Main ausgestrahlt (Digitales Kabelnetz: Programmplatz 136). Sollten sie die Sendung verpassen finden sie diese online in der Mediathek Hessen (http://www.mediathek-hessen.de/partner_12_Medienprojektzentrum-Offener-Kanal-Rhein-Main.html).