Die Fantasie der Bücher kennt keine Grenzen – Autorenlesung mit Heinrich Rahn, 28.10.2017

Am Samstagnachmittag, den 28. Oktober 2017, tauchten wir gemeinsam mit Heinrich Rahn, Autor, Helena Rahn und Anna Amirzadova, unsere musikalische Begleitung, in eine andere Welt. Eine Welt, die große Glücksgefühle verspricht, aber auch Schmerz und Trauer, die Welt der Bücher.

Heinrich Rahn ist ein russlanddeutscher Autor. An diesem Nachmittag laß er, mit Unterstützung seiner Tochter, Auschnitte aus seinen zwei Romanen „Der Jukagire“ und „Die Birkeninsel“. Seine Tochter Helena Rahn, gleichzeitig seine Lektorin, stellte seinen neuen Text vor, der einen Vorgeschmack auf seinen neusten Roman „Die Birkeninsel“ gibt, der gerade in Arbeit ist und nächstes Jahr im Sommer in Druck geht. Abschließend trug Heinrich Rahn einige seiner Gedichte vor.

Begleitet wurde die Lesung musikalisch von der jungen Anna Amirzadova (DJR-Jugendgruppe) am Klavier.

Am großzügigem Kuchenbuffet konnten die Gäste ebenfalls schlemmen. Nach dem einleitenden Teil der Autorenlesung gab es eine Pause in der die Kuchen und die melancholischen Töne der Pianistin genoßen werden konnten.

Heinrich Rahn ist nicht nur ein Autor, sondern auch ein Zeitzeuge. Im Rahmen unserer Kooperation mit dem Offenen Kanal Rhein „Zeit mit Zeugen- Lebenserfahrungen von Russlanddeutschen 2017“ hat er gemeinsam mit zwei weiteren Zeitzeugen über seine Lebenserfahrungen als Deutscher aus Russland berichtet.

Zeitzeugen

Heinrich Rahn wurde am 13.04.1943 in Sparau, im Gebiet Saporoje (Ukraine), in einer plattdeutschen Familie geboren. Seine Eltern Jakob und Anna (geb. Nickel) entstammten einer alten Landpächterfamilien. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, konnte die Familie nicht rechtzeitig evakuiert werden und kam unter deutsche Besatzung. 1944 wurde die Familie Rahn mit vielen anderen „Volksdeutschen“ per Pferdetreck nach Deutschland gebracht. 

Doch im November 1945 wurden sie von den Sowjets wieder nach Russland ins Kostromagebiet verschleppt. Nach einem schrecklichen Hungersjahr, wurde der Vater für 25 Jahre ins Gefängnis geworfen.

Nach der Mittelschule und einer Ingenieurschule war Heinrich Rahn lange Jahre als Bauingenieur in verschieden Baukombinaten tätig. Seine Leidenschaft war jedoch die Literatur. Schon mit 19 Jahren fing er an, Gedichte zu schreiben. Doch leider gab es für ihn in der Sowjetunion keine Möglichkeit auf diesem Gebiet auch beruflich Fuß zu fassen. In seiner Freizeit nutzte Rahn jede Gelegenheit Bücher auch in deutscher Sprache zu lesen. Dies gestaltete sich immer schwierig, da deutsche Bücher schwer aufzutreiben waren. Und doch gelang es ihm, in einigen abgelegenen Dorfläden die klassischen Werke von Goethe, Schiller, Heine, Storm für einen geringen Preis zukaufen. Das Buch von Remarque „Die drei Kameraden“ hatte er sogar in einem alten Schuppen gefunden. Diese Bücher kamen aus der DDR und wurden einzeln verramscht, da fast niemand sie in deutscher Sprache lesen wollte.

Nun konzentriert er sich ganz auf die Schriftstellerei, der er all die Jahre treu blieb.

Wir freuen uns schon jetzt auf weitere Werke von Heinrich Rahn.